Achtsamkeitsmeditationen konnten in einer Studie Patienten mit Angststörungen ebenso gut unterstützen wie SSRI.

Angstpatienten profitieren von Stressreduktion

Achtsamkeitsmeditation wirkt gleich gut wie SSRI

Bei Angststörungen helfen SSRI oder eine kognitive Verhaltenstherapie. Doch nicht alle Betroffenen werden damit erreicht, sei es aufgrund von Vorbehalten gegenüber Psychopharmaka oder dem Mangel an Therapie­plätzen. Achtsamkeitsmeditation liegt voll im Trend – und hat nebenbei einen nachgewiesenen positiven Einfluss auch auf Angsterkrankungen. Doch wirkt sie so gut wie die etablierte Pharmakotherapie?

Um das herauszufinden, haben amerikanische Forscher insgesamt 208 erwachsene Patienten mit Angststörungen untersucht, die zuvor noch keine Therapie erhalten hatten (1). 75 von ihnen waren Frauen, das Durchschnitts­alter lag bei 33 Jahren.

10–20 mg Escitalopram kontra Stressreduktion

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen erhielten nach der Randomisierung Escitalopram (zunächst 10 mg, bei guter Verträglichkeit ab der 2. Woche 20 mg). Die andere Gruppe absolvierte ein etabliertes Programm zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion.

Dieses lief über acht Wochen und bestand aus einem wöchentlichen Kurs über 2,5 Stunden, einem ergänzenden Wochenend-Workshop sowie täglicher Praxis zu Hause über jeweils 45 Minuten. Vor Beginn und nach Woche 8 wurde die Schwere der Angststörung mittels der Skala CGI-S (Clinical Global Impression of Severity) durch einen verblindeten Interviewer erhoben.

Der Schweregrad der Erkrankung lag zu Beginn in beiden Gruppen bei etwa 4,5 Punkten auf der CGI-S-Skala. Nach acht Wochen hatte er sich in der Achtsamkeitsgruppe um 1,35  Punkte reduziert, unter Escitalopram um 1,43 Punkte. Damit sei die achtsamkeitsbasierte Intervention gegenüber dem SSRI als nicht unterlegen anzusehen, schreiben die Autoren.

In der Nachbeobachtung bis Woche 24 zeigte sich in beiden Gruppen eine weitere Verbesserung bis auf 2,9 Punkte auf der CGI-S-Skala. Zu diesem Zeitpunkt nahm gut die Hälfte der Teilnehmer weiterhin Escitalopram ein, ein Viertel meditierte noch mindestens viermal pro Woche.

In der Achtsamkeitsgruppe berichteten 11% über eine Verschlechterung der Angst

Unter Escitalopram traten die bekannten Nebenwirkungen auf, darunter Schlafstörungen und Übelkeit. Eine Verschlechterung der Angststörung als unerwünschtes Ereignis wurde in der Achtsamkeitsgruppe bei elf Prozent und unter Escitalopram bei fünf Prozent verzeichnet. Kein Teilnehmer brach die Studie aufgrund einer Verschlechterung ab.