Verkümmerter Hippocampus durch Action-Spiele

Games: Shooter potenziell schlecht fürs Gehirn

In den vergangenen Jahren haben Studien immer wieder nahegelegt, dass Videospiele gut fürs Gehirn sind. Doch das stimmt nur bedingt, warnen nun Forscher der University of Montreal (UdeM).

19. März 2024
Junge Frau spielt an einem PC einen Ego-Shooter.
Gorodenkoff/stock.adobe.com

Gerade Action-Games wie der Shooter "Call of Duty" (CoD) führen demnach bei bestimmten Gamern dazu, dass der Hippocampus graue Substanz abbaut. Das steigert das Risiko von Depressionen, Schizophrenie oder Alzheimer. 3D-Games hingegen scheinen laut Studie bei allen Spielern gut für eben diese Hirnregion.

Nicht fürs ganze Gehirn gut

Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Video-Games beispielweise visueller Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis auf die Sprünge helfen. "Doch es gibt auch verhaltensbasierte Anzeichen, dass dafür ein Preis zu zahlen ist, nämlich durch Auswirkungen auf den Hippocampus", meint Greg West, Psychologieprofessor an der UdeM. Daher hat sein Team zunächst anhand von Gehirnscans nachgewiesen, dass bei Gamern weniger graue Substanz im Hippocampus zu finden ist. "Dem haben wir zwei longitudinale Studien folgen lassen, um die Kausalität nachzuweisen, und gefunden, dass tatsächlich Gaming das Gehirn verändert."

Die Forscher haben dazu knapp 100 Probanden für 90 Stunden sowohl beliebte Shooter wie CoD und "Borderlands 2" als auch 3D-Games aus der "Super Mario"-Reihe spielen lassen. Ein Teil der Teilnehmer waren dabei Personen, die eher durch Belohnungssysteme lernen. Solche Gamer navigieren in Games eher aufgrund eingeprägter Abläufe als anhand von Orientierungshilfen, wie das räumlich Lernende machen. Bei eben diesen hat sich gezeigt, dass der Hippocampus tatsächlich aufgrund von Action-Games verkümmert. Die 3D-Spiele dagegen haben der Studie zufolge bei allen Teilnehmern zu mehr grauer Substanz im Hippocampus geführt.

Vorsicht beim Zocken

Da ein verkümmernder Hippocampus diverse Erkrankungen und Störungen wie Depressionen, Schizophrenie, post-traumatische Störungen und Alzheimer begünstigt, mahnen die UdeM-Forscher also zu Vorsicht bei der Nutzung speziell von Actionspielen als Gehirntraining. Allerdings sei denkbar, die Spiele anzupassen. "Action-Games, die ohne In-Game-GPS oder ohne Overlays für die Wegfindung im Display des Spiels, denen der Spieler folgen kann, auskommen, könnten beim Spielen der Action-Games eher räumliches Lernen begünstigen", so die Forscher. Dann wären sie womöglich auch für jenen Lerntyp gut, bei dem sie derzeit ein Hippocampus-Risiko darstellen.